35.000 Kilometer Stromnetz: Gut, wenn Sie in Zukunft mitentscheiden!

Seit ein paar Tagen trifft man in Berlin auf die neue Werbekampagne von Vattenfall. Die Überschrift lautet: „35.000 Kilometer Stromnetz. Schön, dass Sie das nicht interessieren muss.“ Deutlicher kann man seine Haltung den Bürgern gegenüber kaum machen: Bitte halten Sie sich raus, denn das Stromnetz ist Sache von Experten und hat Sie als Bürger nicht zu interessieren!

Diese Haltung teilt das Unternehmen Vattenfall mit vielen der großen Energieversorger: Bürger mögen doch bitte ihre Rechnung zahlen und ansonsten nicht stören. Als Gesprächspartner auf Augenhöhe, ernstzunehmende Gestaltungsgröße oder gar als Mit-Entscheider kommen sie jedoch nicht in Frage. Anmaßend, wenn man betrachtet, dass es gerade im Bereich der Energieversorgung und –verteilung um zentrale gesellschaftliche Zukunftsaufgaben geht. Die Gestaltung dieser Aufgaben muss in erster Linie die Angelegenheit der Gesellschaft, der Bürgerinnen und Bürger sein — und nicht Sache eines einzelnen Unternehmens. Mehr noch, die Energienetze einer Stadt sind das Rückgrat für deren Versorgunge. Sie sind zentrale Bestandteile der öffentlichen Daseinsvorsorge und damit vor allem für uns Berliner von besonderem Interesse. Daher meinen wir: Gut, wenn Sie über 35.000 Kilometer Stromnetz zukünftig mitentscheiden!

Irreführend werden die Werbeplakate von Vattenfall spätestens dann, wenn man das Kleingedruckte darauf liest: »Jahr für Jahr werden rund 240 Millionen Euro für den Ausbau und Unterhalt ausgegeben. Würde das auch noch den Berliner Haushalt belasten, kämen viele andere Vorhaben zu kurz.« Verschwiegen wird dabei, dass die angesprochenen Kosten für das Netz nicht Vattenfall selbst, sondern die Berlinerinnen und Berliner tragen: Vattenfall finanziert die Instandhaltung des Netzes mit den Netzentgelten, die jeder Verbraucher mit seiner Stromrechung an den Netzbetreiber zahlt. Teile der Netzentgelt-Zahlungen der Bürger behält der Netzbetreiber natürlich auch selbst als Gewinn ein — in den vergangenen Jahren meist zwei– oder dreistellige Millionenbeträge. Den Berliner Haushalt belasten würden solche Instandhaltungen jedoch in keinem Fall: Wer auch immer das Netz künftig betreibt — ob Vattenfall, oder das Land Berlin gemeinsam mit der BürgerEnergie Berlin — die Kosten für das Netz werden weiterhin nicht vom Eigentümer, sondern indirekt vom Verbraucher gezahlt. (Mehr dazu auch in diesem Bericht im »Klima-Lügendetektor«.)

Letztlich macht die großangelegte Werbekampagne jedoch vor allem deutlich, dass der Netzbetreiber Vattenfall unter Druck steht. Dass die Berlinerinnen und Berliner bereits 4 Millionen Euro und Zehntausende Unterschriften gesammelt haben, um ihr Netz in Bürgerhand zu bringen, sorgt offensichtlich zunehmend für Unruhe bei Vattenfall in Berlin. Und so sollen nun die Anzeigen in Tageszeitungen und auf U-Bahnhöfen dem Unternehmen dabei helfen, sich im Vergabeverfahren um die Konzession durchzusetzen.

Sorgen Sie jetzt mit uns dafür, dass das Netz in Bürgerhand kommt! Machen Sie mit:

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